Währungen: Ausblick 2010 – US-Dollar mit erheblichem Aufwertungspotenzial

Magazin — Von BNP Paribas am 26. Januar 2010 um 16:40

Als Analyst freut man sich immer dann, wenn bezüglich eines auszuwertenden Basiswerts eine möglichst eindeutige homogene Signallage vorliegt.

Eine solche ist für den US-Dollar gegeben. Die Vorzeichen stehen auf Rallye im Jahr 2010. Basis für diese Rallye ist das brachial bärische Sentiment dem Greenback gegenüber. J.P. Morgan beispielsweise wandten sich auch Ende 2009 noch mit einer Researchnote an die institutionelle Klientel, wonach der US-Dollar weiter geshortet werden könne.

Seit Ende November 2009 liegt im US-Dollar Index Future eine mittelfristige Trendwende nach oben vor. Tendenziell spiegelbildlich dazu zeigt sich das Währungsverhältnis Euro gegenüber US-Dollar (EUR/USD). Der Chart weiter unten im Text zeigt den Kursverlauf seit Juli 2008. Sehr schön ist zu erkennen, wie sich ab November 2009 an einer deckelnden Widerstandslinie im 1,5100er Bereich eine so genannte Doppeltop-Trendwende ausbildete, die die Notierungen nach unten bugsiert. Euro und US-Dollar gehören neben Öl und Gold zu den Basiswerten, die sich charttechnisch am besten prognostisch eingrenzen lassen. Charttechnisch ergibt sich für EUR/USD im Verlauf 2010 mit hoher Wahrscheinlichkeit ein mittelfristiger Kurszielbereich von 1,2000 bis 1,3000 USD. Ausgehend vom 1,4400er Preisniveau bedeutet dies eine Euro-Abwertung in der Größenordnung von minimal 10 Prozent.

Bei 1,4300 USD liegt eine Stabilisierung vor, die sich zu einer technischen Reaktion in Richtung 1,4900 USD entwickeln kann. Diese kann für den Aufbau von Shortpositionen genutzt werden. Abgesehen vom Handel direkt an der Forex bietet sich für den aktiven Anleger der Einsatz von Hebelzertifikaten an, so genannten Knock-Out Produkten oder Turbo Optionsscheinen. Diese Tradingvehikel sind einfach konstruiert, in ihrer Wirkung einfach verständlich und erlauben den gehebelten Handel der Währungspaare.

Sehr interessant auch die Auswertungen von Merrill Lynch zu den Hedgefundsaktivitäten im Devisenbereich. Demzufolge haben die an den US Terminbörsen agierenden Hedgefunds massiv Shortpositionen auf den Euro aufgebaut. Diese Marktteilnehmer sind bekannt für ihre explizit mittelfristige Ausrichtung der Positionierungen. Auch dieser Indikator spricht also für eine US-Dollar-Aufwertung. Überhaupt muß festgestellt werden, dass das beherrschende Thema 2010 die Angst der Finanzmärkte vor US Leitzinsanhebungen ist. Bisher sieht der Marktkonsens vor, dass mit ersten Anhebungen in der zweiten Jahreshälfte 2010 zu rechnen ist. Es mehren sich aber die Stimmen, die bereits im ersten Halbjahr 2010 erste Schritte der US Notenbank erwarten.

Die entstehende Zinsdifferenz ist ein Argument für einen steigenden US-Dollar. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die temporäre US-Dollar-Stärke zunehmend zu Carrytrade-Auflösungen führen kann. Auch dieser Faktor könnte ein Erstarken des US-Dollars bewirken.

Der Branchenprimus Goldman Sachs lehnt sich weit aus dem Fenster. Die Experten dieses Investmenthauses gehen davon aus, dass die US Notenbank weder 2010 noch 2011 anheben werde. Man gehe davon aus, dass es erst 2012 soweit sei. Stichwort “jobless recovery”. Die US Notenbank dürfte die Niedrigzinspolitik erst dann zurückfahren, wenn sich ein nachhaltiger Abbau der Arbeitslosigkeit abzeichne.

Shortpositionen auf EUR/USD sollten aus charttechnischer Sicht mindestens über 1,5200 USD mit Stoploss abgesichert werden. Sollte EUR/USD wider Erwarten diese Hürde nach oben nehmen, würde dies dafür sprechen, dass die temporäre Rallyeprognose obsolet wird.

Euro gegenüber US-Dollar

2010 ist auch unter einem anderen Gesichtspunkt interessant. Die gängigen Korrelationen zwischen den großen Assetklassen könnten zeitweise auf den Kopf gestellt werden. Seit November 2009 ist der US-Dollar deutlich angestiegen, gleichzeitig steigen die Aktien aber weiter. Dow Jones und S&P 500 Index zeigen bislang keine Schwäche. Die US-Dollar-Aufwertung bis dato ist an ihnen sang- und klanglos vorbeigegangen. Gleiches gilt für viele Basiswerte aus dem Rohstoffsektor. Öl, das in den meisten Rohstoffindizes die weitaus höchste Gewichtung aufweist, ist auf ein neues Hoch ausgebrochen. Die Agrar-Rohstoffe schicken sich an, nach oben auszubrechen. Und sogar der Goldpreis, der besonders sensibel gegenläufig zum US-Dollar korreliert, springt wieder impulsiv an.

Als Anleger ist es demzufolge 2010 von Relevanz, sich nicht in die Korrelationsfalle locken zu lassen. Ein mittelfristig steigender US-Dollar muss nicht zwingend zu Kursverlusten bei Rohstoffen und Aktien führen.

2010 ergeben sich exzellente Shortmöglichkeiten des Währungsverhältnisses EUR/USD. Das Repertoire der verfügbaren Shortzertifikate oder Turbo Put-Optionsscheine ist groß. Alle Scheine mit Knock out-Level über 1,4900 USD eignen sich für einen Einsatz.

Passende Produkte: WKN BN4DR4, WKN BN30BR, WKN BN323F

Autor:
Harald Weygand
Head of Trading bei GodmodeTrader.de
GodmodeTrader
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