Währungen: Der Euro befindet sich in einem massiven Abverkauf
Magazin — Von BNP Paribas am 10. März 2010 um 13:40Shortseller haben sich auf die euroÂpäische Einheitswährung eingeschossen. Laut dem aktuellen COT Report liegt eine rekordverdächtige ShortpositioÂnierung auf den Euro vor. So schnell kann sich das Blatt wenden. War das Sentiment Ende 2009 noch stark bärisch für den US-Dollar, also bullisch für den Euro, so liegt derzeit genau die konträre Situation vor. Insbesondere taktisch ausgerichtete Marktteilnehmer, beispielsweise größere Adressen aus der Hedgefundsbranche, haben ihre Positionen von long auf short gedreht.
Fundamentale Gründe für die Euroschwäche gibt es genügend. Griechenland steht vor der Zahlungsunfähigkeit und Spanien gilt ebenfalls als AusfallÂkanÂdidat. Stichwort PIG. Das Thema der Zinsdifferenz ist erst einmal in den Hintergrund gerückt. BeÂzeichÂnenÂderÂÂweise mehren sich die Stimmen derer, die in diesem Jahr noch keine US-LeitzinsanheÂbung erwarten. Goldman Sachs waren die ersten, die forciert diese EinÂschätzung vertraten.
Die Charttechnik hatte übrigens das erste klare Signal für eine Dollarwende gegeben. Im Bereich von 1,5100-1,5300 USD traf die Euro-Dollar-Rallye in 2009 auf einen starken WiderÂstand, also einen potenziellen WendeÂbereich nach unten. Tatsächlich orientierten sich die MarktÂteilnehmer an diesem PreisÂÂÂband, und es kam zur Ausbildung einer TrendÂÂwende. Seit NovemÂber/DezemÂber 2009 beÂwegt sich Euro-Dollar in einem steilen AbwärtsÂtrendkanal.
Bereits in der zurückliegenden Ausgabe widmeten wir uns Euro und Greenback. Es wurde als Kurszielbereich für die laufende Korrektur ein Preisband bei 1,2000-1,3000 USD genannt. Diesem Zielbereich nähern wir uns schneller als erwartet. Die hohe DynaÂmik während des Abverkaufs und das stark negative Momentum sprechen dafür, dass der Markt sogar weit tiefer liegende Ziele anpeilt.
Die beigefügte Chartgrafik zeigt den KursÂverlauf seit August 2008. Durch die beiden dicken schwarzen Linien ist der breite KursÂkorridor seit 2008 gekennzeichnet. InnerÂhalb dessen fällt Euro-Dollar nach unten ab.
Mittelfristig ist mit einem Erreichen der Minimal-Kurszielmarke bei 1,3000 USD zu rechnen. Im Bereich von 1,3000 USD erwarten wir eine relevante Stabilisierung, der Kurs dürfte ausgehend von 1,3000 USD auf Sicht einiger Wochen nach oben abprallen. Aus charttechnischer Sicht muss allerdings anschließend mit einer KorrekturausÂdehÂnung bis 1,2000 USD und sogar in Richtung Parität gerechnet werden.
Kurzfristig notiert Euro-Dollar derzeit mit 1,36xx USD im Bereich einer Unterstützung. Eine technische Gegenreaktion, ein sogenannter CounterÂtrend in Richtung 1,3900 und 1,4100 USD ist möglich. In diese kurzfristigen ErhoÂlungsversuche bietet es sich an, Euro-Dollar weiter leerzuverkaufen. ShortÂÂpositionen sollten oberhalb von 1,4600 USD abgesichert werden.
Euro-Dollar ist einer der großen liquiden Basiswerte, der sich charttechnisch ausgezeichnet prognostisch eingrenzen lässt. Eine Chartanalyse mit Prognose kann Grundlage für die Erstellung eines Investment- oder Tradingplans sein.
Wieso funktioniert die Charttechnik bei diesem Basiswert so gut? Es lässt sich damit erklären, dass die Marktakteure sich am Kursgeschehen orientieren müssen. Wo steht der Markt relativ gesehen? In welchen Preisbändern ist eine Stop Loss-Absicherung sinnvoll? Stichwort RisikoÂÂmanagement. Werden Stop Loss-Levels gerissen, führt dies zu Verkäufen. AbwärtsÂtrends etablieren sich. Und genau das ist seit Ende 2009 der Fall.
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| Autor: Harald Weygand Head of Trading bei GodmodeTrader.de |
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Tags: Dollar, Euro, Long, Short, Shortseller







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4 Kommentare
Wenngleich ich Ihr Angebot schätze, vermisse ich doch die Hinweise mit näherem Zeitbezug zum Versenktwordensein des Euro. Interessant war es im Januar mit mehr Pips. Jetzt sind es die Endzucker. Ihre Empfehlung an alle kommt zu einem Zeitpunkt, die den Verdacht nährt, daß es mit dem weiteren Sinken des Euros bald vorbei ist. Wir werden sehen. Ich bin jedenfalls raus aus den Shorts.
G.K.
Sehr geehrter Herr Körmer,
vielen Dank für Ihr Feedback! Wir bemühen uns stehts hautnah am Marktgeschehen zu sein, das leider manchmal sehr schnelllebig ist. Unsere Analysten werden dem aber nachgehen!
Ihr BNP Paribas Team
Die technische EUR-Darstellung ist sehr brauchbar.
Interessante Theorie – was den weiter fallenden Euro betrifft.
Entscheiden wird sich die Richtung Euro/US-Dollar wohl erst, wenn die ersten Zinsschritte am Markt ankommen. Damit ist aber wohl zumindest bis Herbst nicht zu rechnen.
Die Amerikaner reagierten in der Vergangenheit wesentlich schneller und aggressiver, wenn es galt Inflation und Wachstum zu begrenzen oder eben Wachstum durch Niedrigzinsen zu fördern. Das könnte dazu führen, dass die amerikanischen Leitzinsen im kommenden Jahr störker steigen als die des Euro, was die Theorie des weiter fallenden Euro stützen würde.
Was den Chart angeht:
kurzfristg steiler Abwärtstrend – das ist unübersehbar. Unübersehbar aber auch, dass sich dieser innerhalb des seit Oktober 2008 geltenden Aufwärtstrends bewegt. Ob tatsächlich Kurse unter 1,30 in naher Zukunft erreicht werden kann somit zumindest bezweifelt werden. Die Großen Investoren werden ihre Positionen bei erreichen der unteren Begrenzung (die ja weiter ansteigt) entweder aktiv schließen oder zumindest mit engen Stops absichern. Das macht dann den Weg für den Euro frei – zumindest bis zu den von Ihnen angegebenen 1,46
Wenn bereits alle “Short” sind, welcher Stop-Loss nach unten soll dann gerissen werden? Dann ja wohl eher Stops nach oben… Und das spricht ja eher dafür, dass wir uns zumindest sehr nahe am Tiefstkurs befinden. Insofern kann ich Herrn Körmer nur zustimmen: Das Chance-Risiko-Verhältnis ist längst nicht mehr so attraktiv, als dass sich massive Short-Spekulationen auf aktuellem Niveau lohnen…