Rohstoffe: Gold, quo vadis?
Magazin — Von BNP Paribas am 7. April 2010 um 07:00Die weltweiten Kapitalmärkte befinden sich in einer Übergangsphase. Deflationäre Tendenzen reiben sich mit den höchsten Inflationserwartungen seit zehn Jahren. An guten Tagen wird der Dollar verkauft, als sicherer Hafen angesteuert, und das Gold spiegelt diese Bewegungen in entgegengesetzter Richtung wider. Seit einigen Wochen sind Dollarverkäufe aber auch an schlechten Tagen zu beobachten. Ein Spannungsfeld baut sich auf, das sich früher oder später entladen muss. Das nach Inflationsabsicherung suchende Kapital gewinnt stetig an Kraft.
Diese Erkenntnis bleibt allerdings dem verborgen, der ausschließlich auf die Aktienmärkte blickt. Seit einigen Monaten wird das Spannungsfeld nur dem offenbar, der sich den Devisenmärkten zuwendet. Seit November steigt die Volatilität der Währungen der wichtigen Wirtschaftsblöcke der Erde sprunghaft an, während sich an den Aktienmärkten relativ dazu Gemächlichkeit breit gemacht hat. Gegenüber dem US-Dollar wertete der Euro binnen zweier Monate von 1,51 auf unter 1,34 ab, das britische Pfund rutschte von 1,70 auf unter 1,50. Gold, das ebenfalls als Währung gilt, kompensiert die Abwertungen der beiden Währungen und steigt in Pound Sterling und Euro gerechnet auf neue historische Höchststände. In Euro stieg der Goldpreis auf Schlusskursbasis auf ein neues Allzeithoch von 827 Euro je Unze. Auch in britischen Pfund sah der Goldpreis mit 751 Pound Sterling je Unze ein Rekordhoch. In der amerikanischen Währung kostete Gold trotz der aktuellen Entwicklung des Greenbacks 1.120 Dollar die Unze. Dies dürfte auf die Nachfrage aus Indien und Spekulationen auf den Goldpreis zurückzuführen sein.
Besitzer von physischem oder börsennotiertem Gold können sich je nach dem Betrachtungszeitraum nicht überall auf der Erde über Gewinne freuen. Seit Anfang Februar verdienten Europäer 8,3 Prozent, Briten 12,8 Prozent und US-Amerikaner 9,0 Prozent. Seit Beginn der Währungsschwankungen im November des vergangenen Jahres verloren US-Amerikaner jedoch mit Gold 7,0 Prozent ihres Einsatzes, während Europäer und Briten nach wie vor im Gewinn sind. Das steht im Gegensatz zum Anlegerverhalten des vergangenen Jahres. 2009 haben Edelmetall-ETFs und –ETCs in den USA deutlich zugelegt – ihnen flossen insgesamt 795,8 Millionen Dollar zu, wie aus dem „ETF Landscape Year End 2009“, dem von BlackRock veröffentlichten Branchenbericht, hervorgeht. In Europa wurde im vergangenen Jahr dagegen nicht mehr in Edelmetall-ETFs und –ETCs investiert. Dort fand genau das Gegenteil statt. Die Anleger zogen 312 Millionen Dollar ab, wie es im Jahresbericht von BlackRock weiter heißt. Generell legten Rohstoff-ETFs beziehungsweise ETCs unter allen Exchange Traded Products 2009 die größte Steigerung hin: Innerhalb eines Jahres konnten sie ihr verwaltetes Vermögen von 9,9 Milliarden auf 22,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Damit hat diese Asset-Klasse den größten Zuwachs in Prozent seit sechs Jahren verzeichnet. Zum Vergleich: Ende 2008 kamen Aktien-ETFs auf ein verwaltetes Vermögen von 596,4 Milliarden Dollar, ein Jahr später waren es 841,2 Milliarden Dollar. Innerhalb des gleichen Zeitraums machten ETFs, die Renten-Indizes abbilden, einen Sprung von 104,0 Milliarden auf 167 Milliarden Dollar.
Momentan liegt das Gesamtgewicht der 15 wichtigsten physisch hinterlegten Gold-ETFs und-ETCs bei insgesamt rund 1.800 Tonnen. Kaufmännisch gerundet war das Gewicht vor rund drei Wochen identisch. Tatsächlich aber sind die Goldbestände seitdem um 30 Tonnen gestiegen. Marktteilnehmern zufolge kaufen die ETFs derzeit wieder Gold ein. Von den etwa 1.800 Tonnen ist mehr als die Hälfte für den SPDR Gold Trust hinterlegt. Der weltweit größte Gold-ETF ist derzeit 1.115,51 Tonnen schwer. Das entspricht 35.864.803,61 Unzen. Vom 8. bis zum 12. Februar kam der Gold-ETF auf 1.106,38 Tonnen. Dann stieg die Barrenmenge wieder leicht an, um vom 23. Februar bis zum 1. März bei 1.106,99 Tonnen zu verharren. Am 17. Februar 2009 waren erstmals über 1.000 Tonnen an Gold in diesem ETF hinterlegt. Laut den Daten der US-Börsenaufsicht SEC hat der Hedgefonds von George Soros im vierten Quartal vergangenen Jahres seine Anteile am SPDR Gold Trust, dem weltweit größten Gold-ETF, mehr als verdoppelt. Ende des dritten Quartals hielt der Soros-Hedgefonds noch 2,45 Millionen Anteile und Ende des vierten Quartals waren es 6,178 Millionen. Soros selbst hat es unlängst als rational bezeichnet, jetzt noch Gold zu kaufen. Seiner Ansicht nach wird es zwar zu einer Goldblase kommen, aber bisher wachse diese noch. Momentan gibt es Meldungen am Markt, wonach Australien seine Goldproduktion um zehn Prozent auf 267 Tonnen ausdehnen will. Damit würde das Goldangebot signifikant zunehmen. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage müsste das den Goldpreis bremsen.
Zwar haben wir im Goldpreis seit Jahresbeginn eine Korrektur gesehen, doch scheint diese bereits abgeschlossen. „Schneller als von uns gedacht, springt der Goldpreis wieder an. Im Korrekturtief wurden bisher lediglich 1.044 Dollar pro Feinunze erreicht. Gestern durchbrach der Goldpreis einen Kreuzwiderstand bei 1.132 Dollar. Damit ist klar, das war es mit der Korrektur vorerst schon“, schrieb Harald Weygand, Head of Trading bei Godmode-Trader.de und fügte hinzu: „Ich rechne im Verlauf der nächsten ein bis zwei Monate mit einem Goldpreisanstieg in Richtung 1.227 Dollar pro Feinunze. Nach unten kann der Goldpreis durchaus nochmals den 1.105-Dollar-Bereich abklopfen.“ Das würde also bedeuten, dass Anleger sowohl mit Short- als auch mit Long-Produkten auf den Goldpreis Gewinne kassieren können – je nach Zeithorizont, Anlagestrategie und Finanzvehikel. Generell könnte auch eine Gegenbewegung auf 1,45 im Währungspaar Euro/Dollar positiv für den Goldpreis sein. Allerdings, wie eingangs schon erwähnt, gelten die altbekannten Korrelationen in der Krise nicht mehr. Robert Halver, Kapitalmarktanalyst bei der Baader Bank, bringt es auf den Punkt: „Was es gibt, ist Geld am Markt. Man ertrinkt geradezu in Liquidität.“ Das macht ETFs wiederum attraktiv, die Liquidität brauchen, um wie Aktien an der Börse gehandelt werden zu können. Und ETFs werden damit weiter ein wichtiger Faktor für den Goldpreis sein. Denn durch die börsengehandelten Indexprodukte kann relativ schnell auf Trends gesetzt werden, was auch für kurzfristig orientierte Investoren interessant ist.
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| Autor: Jochen Stanzl |
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Tags: Devisen, Dollar, Edelmetalle, ETC, ETF, Gold, Rohstoffe, Währungen







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