Hauptthema: Gut gestreut – Money Management
Magazin, Titelseite — Von BNP Paribas am 23. Juni 2010 um 09:30Wer zu viel riskiert, landet früher oder später im Abseits. Für dauerhaft erfolgreiche Anleger ist Money Management das A und O und wichtiger als das optimale Kaufsignal.
Zuerst die gute Nachricht: Trotz aller Risiken können und müssen Sie die Gefahren für Ihr Kapital im Zaum halten, um an der Börse erfolgreich Geld anzulegen. Mit den passend bemessenen Engagements, eng begrenzten Verlusten und ausdauernd durchgehaltenen Gewinnpositionen nutzen Sie Ihre Chancen, ohne unnötig viel aufs Spiel zu setzen.
Nun die schlechte Nachricht: Gedanken an den schnellen Börsenreichtum gehören in die Kategorie der Tagträumereien. Die Geldanlage erfordert viel Geduld, viel Disziplin und ist nach einer gewissen Eingewöhnungsphase nicht einmal ein besonders aufregendes Hobby.
Falsche Fokussierung auf mögliche Gewinne
Es ist nur allzu verständlich und bleibt dennoch eine der gefährlichsten Fallen, in die vor allem Börsenneulinge häufig hineintappen: Der Anleger erwirbt eine empfohlene Aktie mit einem viel zu hohen Anteil seines Kapitals, im Extremfall sogar mit allen verfügbaren Mitteln, und blickt dabei ausschließlich auf die Chancen, sofern der vom Analysten avisierte Kurssprung gelingen wird.
Nicht selten kommt dann alles anders. Die Aktie beginnt zu sinken, was zunächst als ärgerliche, aber vorübergehende Delle abgetan wird. Wachsende Rückschläge bringen Angst ins Spiel. Die Hoffnung richtet sich nun auf die Zurückeroberung des Einstiegskurses. Weiter nachgebende Aktiennotierungen führen entweder zu Panikverkäufen auf tiefem Niveau oder zur vollkommenen Resignation, sodass die betreffende Aktie als Depotleiche mit dem Etikett „Langfristinvestment“ nicht mehr weiter beachtet wird. Die Enttäuschung ist damit perfekt.
Die Risiken im Griff behalten
Erfahrene Anleger und Profis blicken zwar selbstverständlich ebenfalls auf die Chancen eines Titels. In der konkreten Planung des Engagements stehen aber vor allem die Risiken im Mittelpunkt. Bei der Unterschreitung welches Kursniveaus muss die positive Erwartungshaltung zur ausgewählten Aktie unter realistischen, nüchternen Erwägungen aufgegeben werden? Welcher Anteil des vorhandenen Kapitals soll höchstens für dieses Investment riskiert werden und ist ohne Weiteres als Verlust zu verkraften? Wie viele Stücke des betreffenden Titels dürfen dann maximal gekauft werden?
Diese Fragen fallen in den Bereich des Money Managements. Hier dreht sich alles um die sinnvolle Aufteilung des Kapitals auf chancenreiche Positionen mit klar begrenztem Risiko, um einerseits das Ziel der nachhaltigen Börsenerträge zu verfolgen, aber vor allem niemals die Pleite zu riskieren. Die Bedeutung des Money Managements ist kaum zu überschätzen. Immer wieder bestätigen Profis, dass nicht die Suche nach dem besten Kaufsignal, sondern die Anwendung eines sinnvollen und konsequenten Money Managements langfristig zum Erfolg führt.
Einfach umsetzbar
Die Möglichkeiten des Money Managements sind vielfältig. Wir konzentrieren uns hier auf eine unkomplizierte Methode im Umgang mit Aktien, Zertifikaten und Hebelprodukten.
1. Schritt: Kassensturz
Wie viel Kapital steht eigentlich für risikobehaftete Börsengeschäfte zur Verfügung? Oftmals wird ein viel zu hoher Anteil des Gesamtvermögens für Börsengeschäfte mit Verlustrisiko abgestellt. Grundsätzlich gilt: Für risikobehaftete Anlagen sollte ausschließlich Geld verwendet werden, das eindeutig nicht zum täglichen Leben benötigt wird und ebenso wenig für spätere Anschaffungen wie Immobilien oder Autos vorgesehen ist.
2. Schritt: Festlegung des Gesamtrisikos
Welchen Anteil des risikobehaftet angelegten Kapitals sind Sie maximal zu verlieren bereit? Diese Größe ist individuell festzulegen. Mancher Anleger möchte keinesfalls mehr als 10,00 Prozent des Kapitals für den Ausflug in die Welt der Börse riskieren. Ein Investor mit größerer Risikotoleranz könnte hingegen bereit sein, beispielsweise 20,00 Prozent oder sogar 30,00 Prozent insgesamt aufs Spiel zu setzen.
3. Schritt: Bestimmung des Risikos pro Position
Es versteht sich von selbst, dass das Kapital im Sinne der Diversifizierung auf eine Reihe von Positionen verteilt werden muss, die sich möglichst nicht alle gleichgerichtet, sondern unabhängig voneinander oder zum Teil sogar entgegengesetzt entwickeln.
Auch wenn man auf diesem Wege nicht den schnellen Reichtum erzielen wird, sollten die einzelnen Positionen relativ klein gehalten werden und jeweils geringe Verlustgefahren für das Portfolio beinhalten. Oft wird ein Portfolio-Risiko von 1,00 Prozent pro Engagement vorgeschlagen. Deutlich risikofreudigere Anleger könnten sich möglicherweise mit 2,00 Prozent Risiko pro Engagement wohlfühlen. Und eher vorsichtige Naturen wollen beispielsweise jeweils nur 0,50 Prozent ihres Portfolios riskieren, um auch bei zahlreichen Fehlschlägen nicht in Schieflage zu geraten.
4. Schritt: Passende Investments ausfindig machen
Hier kommt die Suche nach aussichtsreichen Gelegenheiten ins Spiel. Wie Sie sehen, ist das Aufspüren von chancenreichen Kaufkandidaten nur ein Teil des langfristigen Anlageerfolgs.
5. Schritt: Stop Loss-Limits festlegen
Ab welchem Kursrückschlag ist die positive Erwartungshaltung für das jeweilige Wertpapier nicht mehr haltbar? Diese Frage sollten Sie sich unbedingt vor jedem Positionsaufbau beantworten. Auf dem entsprechenden Niveau werden potenzielle Verluste realisiert und damit begrenzt. Nur so lässt sich die wichtige Grundregel „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“ konsequent befolgen.
Viele Anleger scheuen sich vor dem Einsatz von Stop Loss-Limits, denn zweifellos kommen immer wieder einmal ärgerliche Verkäufe zu kurzzeitigen Tiefstkursen vor. Letztlich überwiegen aber die Vorteile für die langfristige Kapitalentwicklung, wenn man Verluste nicht ausufern lässt.
Discounter-Put-Kombinationen für Stop Loss-Verächter
Lediglich für Positionen, die mit Puts abgesichert sind – beispielsweise Discounter-Put-Kombinationen (siehe auch hier) –, ist das Setzen von Stop Loss-Limits nicht unbedingt nötig. Denn hier sind die maximal möglichen Verluste ja bereits auf ein geringes Maß eindeutig begrenzt. Schlimmer kann es nicht kommen, sodass man auch nach zunächst sehr ungünstigen Entwicklungen des Basiswertes noch auf eine Umkehr hoffen darf, ohne sofort radikal auszusteigen.
Die Festlegung von Stop Loss-Limits sollte sehr sorgfältig betrieben werden. Weitverbreitet und bewährt ist die Stop Loss-Bestimmung mithilfe der Charttechnik. So werden zum Beispiel die letzten temporären Tiefs oder markante charttechnische Unterstützungslinien als Stop-Levels herangezogen (siehe Abbildung 1). Im Zweifel empfiehlt es sich, den tatsächlichen Stop Loss-Kurs leicht unter dem betreffenden Chartniveau anzusetzen, um nicht sofort bei einem kurzzeitigen Antippen des Levels aus dem Markt geworfen zu werden.
6. Schritt: Ermittlung der Stückzahl des ausgesuchten Papiers
Nun sind Sie bereit, Ihr angestrebtes Investment tatsächlich durchzuführen. Sie wissen, welchen Betrag Sie für die Position maximal riskieren wollen. Dies mögen beispielsweise 1,00 Prozent von verfügbaren 200.000,00 Euro, also 2.000,00 Euro, sein. Zudem wissen Sie durch die Stop-Festlegung, wie hoch das betragsmäßige Verlustrisiko pro Wertpapier ausfallen wird. In unserem Beispiel mögen Sie ein absolutes Verlustrisiko von 20,00 Euro pro Papier zwischen Kaufpreis (100,00 Euro) und Stoppkurs (80,00 Euro) eingehen. Folglich können Sie 100 Aktien (= 2.000,00 Euro / 20,00 Euro) erwerben und bilden somit eine Position mit einem Startwert von 10.000,00 Euro (= 100 Stück x 100,00 Euro).
Mehr Bewegungsfreiheit mit Hebelprodukten
Entscheidende Vorteile beim Kapitaleinsatz pro Position (im Beispiel oben 10.000,00 Euro) bietet die Verwendung von Hebelprodukten, die bei vernünftigem Gebrauch das Depotrisiko keineswegs vergrößern, eher im Gegenteil. Mini Futures Long eignen sich hervorragend als Alternative zum direkten Aktienkauf und sind auf eine Vielzahl an Basiswerten verfügbar. Unter der Annahme eines Bezugsverhältnisses von 1,00 läge das betragsmäßige Verlustrisiko in unserem Beispiel pro Mini Future in etwa ebenfalls bei 20,00 Euro genauso wie beim Aktienkauf (je nach Anlagehorizont zuzüglich eines kleinen Betrags wegen der Basispreisanhebungen). Auch von den betreffenden Mini Futures würden Sie also 100 Stück erwerben.
Ein geeignetes Produkt könnte beispielsweise für je 30,00 Euro zu haben sein, während die Aktie 100,00 Euro kostet. Für die Position wären entgegen den 10.000,00 Euro beim Aktienkauf also nur 3.000,00 Euro für die Mini Futures aufzuwenden. Folglich bleibt vom Gesamtkapital mehr übrig. Sie können also grundsätzlich eine größere Anzahl an Positionen pflegen, sich folglich breiter diversifizieren und bei geschickter Streuung die Chancen und Risiken des Depots deutlich verbessern. Die Chancen und Risiken je Engagement für das Gesamtdepot ändern sich indes nicht, wenn man von den geringen Finanzierungskosten des Mini Futures und einer Extremsituation wie etwa einer plötzlichen Firmenpleite absieht, bei der sich der geringere Kaufpreis der Mini Futures abermals auszahlt.
Tradingstrategien und Money Management
Eine einzelne Tradingstrategie, die beispielsweise mit Hebelprodukten auf einen bestimmten Basiswert umgesetzt wird und ihrerseits ebenfalls ein Money Management betreibt, ist im Gesamtdepot des Anlegers im Prinzip wie ein einzelner Aktientitel zu betrachten.
Welchen Kapitalanteil ist man bereit, durch die Umsetzung der Strategie maximal zu riskieren? Und bis zu welchem Ausmaß an potenziellen Rückschlägen wird man die Strategie weiter verfolgen? Daraus ergibt sich das Kapital, das zum Trading der betreffenden Strategie abgestellt wird. Um hierbei mit der oben genannten Ein-Prozent-Regel als Risiko am Gesamtkapital zu arbeiten, sind im Zweifel erhebliche Mittel vonnöten, damit das Startkapital der Strategie im Lichte der Minimumgebühren des Brokers noch sinnvolle Positionen ermöglicht. Selbst wenn aber ein etwas größerer Depotanteil aufs Spiel gesetzt wird, kann man das Risiko auf ein vertretbares Ausmaß begrenzen.
Hierzu ein Beispiel: Angenommen, eine vorliegende Tradingstrategie unterstellt ein Startkapital von 20.000,00 Euro, während der Anleger zwischenzeitliche Verluste von 50,00 Prozent tolerieren möge. Bei höheren Rückschlägen würde das Trading zumindest zeitweise ausgesetzt.
Der Anleger ist maximal 2,50 Prozent von seinen verfügbaren 200.000,00 Euro zur Umsetzung der Strategie zu riskieren bereit, was einem Betrag von 5.000,00 Euro entspricht. Da ein Verlust von 50,00 Prozent des Strategie-Startkapitals akzeptiert werden soll, darf die Strategie also nur mit einem anfänglichen Kapital von 10.000,00 Euro gestartet werden. Bei der nachfolgend diskutierten Strategie wäre ein halbiertes Startkapital bei günstigen Onlinebroker-Konditionen kein Problem.
Weiter nehmen wir an, dass die Strategie selbst pro Position rund 3,00 Prozent ihres zugewiesenen Kapitals riskiert. Wenn man nun berücksichtigt, dass der Strategie 5,00 Prozent (10.000,00 Euro) des insgesamt für riskante Börsengeschäfte verfügbaren Kapitals (200.000,00 Euro) zugewiesen wurden, dann bemisst sich das anfängliche Risiko pro Tradingposition für das gesamte Börsenkapital (200.000,00 Euro) lediglich auf 0,15 Prozent (= 0,05 x 0,03).
Eine tägliche Tradingstrategie mit Hebelprodukten, abgeleitet aus der DAX® weekly Strategie auf www.wz-magazin.de
Die auf www.wz-magazin.de beobachtete Strategie „DAX® weekly“ eignet sich ebenfalls zur Umsetzung als täglich aktive Tradingsystematik mit Hebelprodukten. Wenn DAX® weekly eine Position führt, wird auf täglicher Basis mit eigenem Money Management und eigenem Stopp-Regelwerk in gleicher Marktrichtung gehandelt.
Insgesamt ähnelt die Backtesting-Kapitalentwicklung dabei natürlich der DAX® weekly Strategie (siehe Abbildung 2). In der Detailbetrachtung können sich jedoch sehr unterschiedliche Ergebnisse einstellen. Dies zeigt ein sehr aktuelles und interessantes Beispiel:
Am Montag, dem 24.05.2010, startete DAX® weekly auf www.wz-magazin.de eine neue Position mit Mini Futures Long, die aufgrund der schwachen Marktentwicklung bereits am Dienstag, dem 25.05.2010, nahe dem Wochentief des DAX® ausgestoppt wurde. Die Handelswoche war für DAX® weekly folglich mit einem Verlust beendet.
In der täglichen Umsetzung als „DAX® weekly | daily“ wird ein anfänglicher Stop Loss von 1,00 Prozent bezogen auf den DAX® gesetzt, da die Systematik mit einem Hebel von 100 arbeitet, während rund 3,00 Prozent des Strategie-Kapitals riskiert werden.
Die am Montag, dem 24.05.2010, parallel zu DAX® weekly gestartete Position wurde gleich im Tagesverlauf mit Verlust ausgestoppt. Zur Börseneröffnung am Dienstag, dem 25.05.2010, wurde daraufhin eine neue Position auf einem sehr günstigen Marktniveau eröffnet. Dieses Engagement wurde nicht ausgestoppt, sondern konnte den gesamten Rest der Woche von der starken Markterholung profitieren. Dementsprechend beendete DAX® weekly | daily die Woche sehr erfolgreich mit einem Gewinn von 11,81 Prozent auf das Tradingkapital, während DAX® weekly einen Verlust von 7,49 Prozent realisiert hatte.
Die weiteren Backtestings der Strategie DAX® weekly | daily in den Abbildungen 4 bis 7 zeigen nochmals die wichtige Bedeutung des Money Managements. Wenn zu viel Kapital je Trade eingesetzt wird, rutscht die Strategie unweigerlich in die Pleite (Abbildung 4). Ein sehr geringer (2,00 Prozent) und ein höherer (5,00 Prozent) Kapitalanteil, der pro Trade mit einem sehr hohen Hebel von 100 riskiert wird, bringen in der theoretischen Rückrechnung hingegen hervorragende Ergebnisse (Abbildungen 6 und 7).
Ein guter Mittelweg scheint letztlich das Vorgehen aus Abbildung 2 zu sein, wo rund 3,00 Prozent des Strategiekapitals je Trade mit Hebel 100 riskiert werden.
Bei der Strategie DAX® weekly | daily zeigt sich derweil die allgemeine Erkenntnis, dass die Trefferquote der Trades keineswegs das alles entscheidende Kriterium für die Profitabilität ist. Da DAX® weekly | daily mit schnell nachgezogenen Stop-Limits arbeitet, verfolgt der Tradingansatz sehr konsequent die Börsenregel „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“. Letztlich genügt daher die geringe Quote von nur 43,59 Prozent an profitablen Trades, um im Backtesting erfolgreich abzuschneiden.
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