Rohstoffe: Gold: 5.000 Dollar sind möglich
Magazin — Von BNP Paribas am 23. Juni 2010 um 08:55Politiker und Zentralbanker bekämpfen die Folgen der Kredit- und Finanzkrise mit unvorstellbaren Geldmengen. Rund eine Billion US-Dollar groß ist der Rettungsschirm, den die EU über ihren Mitgliedsländern aufgespannt hat. Jede Chance einer freien Anpassung der Marktgleichgewichte wurde zunichtegemacht, indem noch mehr Schulden auf bereits hohe Schuldenberge geworfen wurden. Was im Jahr 2008 mit der Rettung insolventer Banken wie Merrill Lynch oder Citigroup begann, nimmt nun eine noch hünenhaftere und bedrohlichere Dimension an: Bereits überschuldete Länder geben Kredite an das noch mehr in Schulden steckende Griechenland. Wegen der Angst der Gläubiger vor einem „Hair Cut“, also einem teilweisen oder sogar vollständigen Zahlungsausfall der Schuldner, sprangen die Zinsen der PIIGS-Staatsanleihen so weit nach oben, dass es das Thema Staatsbankrott bis auf die Titelseiten der Wirtschaftspresse schaffte.
Gläubiger, in Angst um ihr Geld, witterten die Ansteckungsgefahr und begannen reflexartig, auch die Schuldenstände anderer Euro-Länder wie Spanien oder Italien zu überprüfen. Chinas Behörde für ausländische Währungen (Safe) überdenkt ihre Investitionen in Europa. Der Euro ist in nur einem halben Jahr auf der Beliebtheitsskala weit nach unten gerutscht. Dabei sind die Probleme in den USA noch weitaus gravierender. US-Notenbankpräsident Ben Bernanke äußerte sich besorgt und warnte davor, dass auch die USA von der europäischen Schuldenproblematik angesteckt werden könnten. Auch Hedgefondsmanager wie der bekannte David Einhorn von Greenlight Capital sehen diese Gefahr. „Griechenland könnte ein Vorspiel für das sein, was in den USA droht“, warnt Einhorn, der die Stabilität von Lehman Brothers vier Monate vor dem Zusammenbruch infrage stellte.
Gezielter Angriff
Inmitten dieser Abwärtsspirale, die der Chefanalyst der Bremer Landesbank Folker Hellmeyer schon als „gezielten Angriff auf den Euro aus angelsächsischem Raum“ bezeichnete, gab es zum Unverständnis der Märkte erst nur zögerliche, dann aber doch feste Hilfszusagen, vor allem aus Deutschland und Frankreich sowie vom Internationalen Währungsfonds. „Es gibt keine Gefahr für einen Zusammenbruch der Eurozone“, erklärte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn in gebetsmühlenartiger Regelmäßigkeit. Doch die Lage wollte sich nicht beruhigen. „Aus dem angelsächsischen Raum heraus finden zurzeit konzertierte Angriffe auf den Euro statt, die die Investoren verunsichern sollen“, schimpft Börsenanalyst Dirk Müller von Cashkurs.com. Er sieht einen faden politischen Beigeschmack bei den Abstufungen der Ratings von Griechenland und Portugal. Ratingagenturen und US-Banken hätten in einem abgestimmten Vorgehen für Unsicherheit gesorgt. Müller weist darauf hin, dass der Vorstandschef Harold McGraw des McGraw-Hill-Konzerns, zu dem auch die Ratingagentur S&P gehört, Berater des früheren US-Präsidenten George W. Bush war. „Bei S&P passiert nichts, ohne dass es nicht mit Washington abgestimmt wäre”, schimpft Müller.
Die Zinsen für PIIGS-Staatsanleihen kletterten also ungebremst weiter, während der Euro immer schneller abrutschte. Ein Ausweg aus der Angstspirale war erst gefunden, als sich die EZB zu einem direkten Eingriff in den freien Markt entschied. Sie erklärte sich zum Aufkauf von Staatsanleihen ihrer Mitgliedsländer bereit, unabhängig von deren Rating. Salopp gesagt: Sie druckt Geld, um Anleihen zu kaufen, was die Liquidität erhöht und die Anleihenzinsen der Mittelmeer- und Peripherieländer senkt. Der weltweite Schuldenberg wird zunehmend obszön und gefährlich.
Goldrausch im 21. Jahrhundert
Erst 40 Milliarden Euro, dann 110 Milliarden Euro, dann 750 Milliarden Euro – in der Welt der Milliarden und Billionen findet sich der normale Mann auf der Straße nicht mehr zurecht. Menschen suchen nach einer Möglichkeit, ihr Vermögen abzusichern, und tauschen ihre Papiergeldansprüche auch in physische Edelmetalle und vor allem in Gold. 400 Tonnen des gelben Edelmetalls könnten dem Goldmarkt jährlich fehlen, seitdem sich im Jahr 2009 das erste Mal seit mehreren Jahrzehnten auch Zentralbanken zu Nettokäufern von Gold wandelten. Sie hatten in den Jahren zuvor durch Verkäufe ihrer Bestände dafür gesorgt, dass der Goldmarkt ausgeglichen war. Der IWF, der im Herbst 2009 mit dem außerordentlichen Verkauf von 400 Tonnen Gold einsprang, kann dieses Angebotsdefizit nicht dauerhaft beheben. Sollte die Nachfrage nach Goldmünzen und Barren sowie nach börsengelisteten Goldprodukten weiter so wachsen wie in den Jahren 2008 und 2009, könnte es zu einer Verknappung des Goldangebots kommen.
Davon ist aber bislang nichts zu spüren, auch wenn Wellen an hohen Bestellungen regelmäßig die Bevorratung der Münz- und Barrenhändler aufbrauchen. Die Händler kaufen immer bestimmte Mengen ein und lagern diese ein. Die Münzprägeanstalten haben nur begrenzte Kapazitäten, die bei plötzlich steil steigendem Bestellaufkommen der Händler schnell erschöpft sind. Das deutet aber nur auf einen Kapazitätsengpass bei den Prägeanstalten, nicht aber auf eine zugrunde liegende Knappheit an Gold hin.
Denn Gold gibt es noch genug. Höhere Preise führen bei Rohstoffen früher oder später auch zu einem höheren Angebot. Nachdem seit Anfang dieses Jahrzehnts die weltweite Goldminenproduktion Jahr für Jahr immer weiter zurückging, was vor allem an überalterten und schlecht gewarteten Minen in Südafrika liegt, sorgte ein Goldrausch in Indonesien und China im Jahr 2009 für einen plötzlichen Anstieg der weltweiten Goldminenproduktion. Sie wuchs um 6,8 Prozent auf 2.572 Tonnen und erreichte schon fast wieder die Rekordproduktion aus dem Jahr 2001 von 2.600 Tonnen.
Hinzu kam auch ein kräftiger Sprung bei der Goldmenge, die aus wiederhergestelltem Gold erzeugt wurde. Sie wuchs laut dem Weltgoldverband WGC im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um 27,2 Prozent auf 1.674 Tonnen. Das weltweite Goldangebot stieg insgesamt somit um 8,3 Prozent auf 4.287 Tonnen. Trotz dieser angebotsseitigen Effekte darf nicht vergessen werden, wie stark der Investment- und Absicherungscharakter des Goldes die Nachfrageseite beeinflussen könnte. Wir erleben inmitten des 21. Jahrhunderts einen Goldrausch, der sich sowohl bei der Suche nach Gold – wie in Indonesien – als auch bei der Nachfrage nach Gold manifestiert. Menschen stürzen sich auf Gold, und sollte dieser Trend anhalten, wird dies früher oder später zu einer Mangelversorgung des Goldmarktes führen, was den Preis massiv nach oben bewegen würde.
Charttechnischer Gold-Fahrplan
1.860 Tonnen Gold lagern weltweit in den Tresoren der Verwahrstellen der Emittenten physisch besicherter ETFs, das ist fast eine ganze Jahresproduktion. Wer 1.000,00 Euro für eine Unze Gold zu zahlen bereit ist, der hat Angst um sein Geld, der will sich nicht mehr vertrösten lassen, sondern handelt. Wir raten Anlegern aber, jetzt nicht in Panik zu verfallen. Eine Korrektur wird kommen, auch im Goldpreis.
Wer sich entschieden hat, Gold kaufen zu wollen, und jetzt ein Drittel der beabsichtigten Gesamtmenge erwirbt und bei fallenden Kursen peu á peu nachkauft, begeht keinen Fehler. Wir rechnen im US-Dollar-Goldpreis mit einer Rallye bis in den Bereich von 1.336,00 US-Dollar/Unze. Dann dürfte der Preis aber in eine ausgedehnte Korrektur übergehen, die sich bis in den Bereich von 900,00 US-Dollar erstrecken dürfte. Es besteht also unserer Meinung immer noch genug Zeit, sich in den Markt für Gold einzukaufen. Wenn die Preise aber fallen, sollten Sie kaufen. Aus technischer Sicht sehen wir nach der Korrektur ein Potenzial für einen Anstieg bis auf 5.000,00 US-Dollar/Unze.
Passende Produkte: WKN BN01V0, WKN BN01V9, WKN BN00ML
| Autor: Jochen Stanzl |
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Tags: Geld, Gold, Liquidität, Rohstoffe, Währungen







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