DAX® daily Trading: Glücklose Analysten

Trading — Von BNP Paribas am 21. Juli 2010 um 11:32

Ob die DAX® daily Analysten mit ihren Marktprognosen wieder erfolgreich werden können, muss kritisch infrage gestellt werden. Eine Analyse liefert aufschlussreiche Ergebnisse.

Selbst im Abwärtsstrudel des DAX® daily Tradings in der Standardvariante gibt es wenigstens eine positive Erkenntnis: Die Resultate bei der Umsetzung mit realen Produkten auf www.wz-magazin.de unterscheiden sich nicht von den Ergebnissen des fortlaufenden, theoretischen Backtestings.

Im Beobachtungszeitraum vom 04.01.2010 bis 25.06.2010 hat die ungefilterte Befolgung aller DAX® daily Richtungsprognosen (aufwärts und abwärts) mit realen Turbos Long und Short einen Verlust von 58,61 Prozent hervorgebracht. Beim theoretischen Backtesting, das wir im W|Z Magazin seit rund fünfeinhalb Jahren monatlich auswerten, erlitt die Kapitalkurve im gleichen Zeitraum einen Verlust von 58,85 Prozent. Dass die Resultate derart eng beieinander liegen, ist bemerkenswert. Gewisse Abweichungen, die sich möglicherweise mittel- bis langfristig wieder ausgleichen könnten, wären völlig normal. Mit dem identischen Abschneiden im Backtesting und in der Umsetzung mit realen Produkten zeigt sich zunächst einmal, dass Turbos sinnvolle und gut einsetzbare Tradinginstrumente sind. Ferner darf festgehalten werden, dass nicht etwa im jahrelangen Backtesting des DAX® daily Tradings Fehler vorlagen, die sich nunmehr im täglichen Realitätstest auf www.wz-magazin.de rächen würden.

Diese grundsätzlich positiven Aspekte können allerdings nicht darüber hinwegtrösten, dass die Analysten im DAX® daily Newsletter seit geraumer Zeit keine guten Trefferquoten mehr mit ihren morgendlichen Tendenzprognosen für den deutschen Standardwerte-Index erreichen, sodass unser ehemals so erfolgreicher Strategietest erhebliche Verluste erleidet.

Natürlich sind mit Blick auf die jüngste Vergangenheit erhebliche Zugeständnisse naheliegend. Die Aktienmärkte haben sich zum Teil unter starken Schwankungen und mit permanenten, urplötzlichen Richtungswechseln bewegt, sodass wohl kaum ein Analyst mit Leichtigkeit treffende Marktprognosen erstellen konnte.

Doch die Verschlechterung der Prognosequalität im DAX® daily Newsletter und der Rückschlag beim DAX® daily Trading ereignen sich nicht erst seit Kurzem. Wir können punktgenau zum 24.07.2009 den Start der Verlustphase für die fiktive Kapitalkurve des Tradingtests identifizieren (siehe Abb. 1, Kapitalkurve im zweiten Teilchart). Seither hat sich, abgesehen vom Januar und Februar dieses Jahres, keine nennenswerte Erholung eingestellt.

Abb. 1

Plötzliche Erfolglosigkeit
Mittlerweile führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass der aktuelle Rückschlag des fiktiven Kapitals weitaus stärker und penetranter ist als jegliche zuvor gemessene Schwächephase (siehe Abb. 1). Der Draw­down der Teststrategie in der Standardvariante beläuft sich auf dramatische -83,70 Prozent im Zeitraum vom 24.07.2009 bis 25.06.2010.

Parallel zum Abkippen der fiktiven Kapitalkurve des Standardsystems ab 24.07.2009 begann die ursächliche Trefferquote der Tagesprognosen der DAX® daily Analysten abzunehmen. Als Treffer werten wir in der Auswertung in Abbildung 1, wenn der DAX® am betreffenden Tag gegenüber der Eröffnung in prognostizierter Richtung auf erhöhtem oder erniedrigtem Niveau geschlossen hat. Seitwärtsprognosen bleiben unbeachtet, da sie in der Erwartung eines seitwärts gerichteten Marktes ebenso wie in unsicheren Marktkonstellationen ausgesprochen wurden.

Die Trefferquote aller seit Start des DAX® daily Newsletters im November 2004 abgegebenen Richtungsprognosen (aufwärts oder abwärts) beginnt seit Ende Juli 2009 einen Abwärtstrend auszubilden, also nachhaltig schlechter zu werden (siehe Abb. 1, vierter Teilchart ganz unten). Noch deutlicher wird dieser Effekt der abnehmenden Prognosequalität am Verlauf der Trefferquote der jeweils letzten 100 Richtungsprognosen (siehe Abb. 1, dritter Teilchart). Vor allem zuletzt ist diese ebenfalls stark verzögert reagierende Kurve auf 40,00 Prozent eingebrochen. Von den letzten 100 Richtungsprognosen (aufwärts oder abwärts) der DAX® daily Analysten trafen im Rückblick des 25.06.2010 also nur noch 40 Aussagen ins Schwarze.

Das DAX® daily Trading ist gemäß dem Backtesting für ein erfolgreiches Abschneiden auf Prognose-Trefferquoten angewiesen, die merklich über 50,00 Prozent liegen. Somit kann es nicht verwundern, dass die Kapitalkurve in einem fast permanenten Abwärtssog steckt, wenn sich viel weniger Aufwärts-Abwärts-Prognosen der DAX® daily Analysten als brauchbar erweisen.

Fahndung nach den Ursachen
Dass die gesunkene Treffsicherheit der täglichen Tendenzprognosen im DAX® daily Newsletter die Ergebnisse unseres Tests einer systematischen Umsetzung der Analystenmeinungen in Mitleidenschaft gezogen hat, steht insoweit unzweifelhaft fest.

Es bleibt jedoch die Frage, weshalb sich die Resultate so urplötzlich und stetig seit Ende Juli 2009 eingetrübt haben. Der punktgenaue Beginn der Erfolglosigkeit  nährt die starke Vermutung, dass hier eine konkrete Ursache vorliegen muss. Grundsätzlich ist dabei anzumerken, dass die DAX® daily Analysten ihre Marktprognosen nach bestem Wissen entsprechend ihren persönlichen Schlussfolgerungen und Erfahrungen, basierend auf der aktuellen Marktauswertung, treffen. Im schlechtesten Fall kann es hierbei passieren, dass ein Experte plötzlich auf Abwege gerät, weil er neue, vermeintlich treffsichere Werkzeuge verwendet, die sich aber als kontraproduktiv erweisen.

Unsere Auswertungen und Rücksprachen mit GodmodeTrader.de, dem Analyselieferanten für den DAX® daily Newsletter, haben jedoch ergeben, dass im Sommer 2009 eine viel simplere Änderung der Prognoseerstellung startete, die sich einfach an der Anzahl der Richtungsprognosen (aufwärts oder abwärts) festmachen lässt. In Abbildung 1 ist im obersten Teilchart die Kumulierung der Anzahl abgegebener Richtungsprognosen dargestellt (rote Linie). Wenn sich die Analysten an einem Tag für eine Aufwärts- oder Abwärtsbewegung des DAX® aussprechen, so wird die Prognose mit dem Wert 1 gezählt. Die Aussage „seitwärts“ erhält den Wert 0. Diese Werte werden fortlaufend aufsummiert. Wenn die Analysten tendenziell im Zeitablauf eine konstante Verteilung ihrer Aussagen realisieren würden, müsste die Kumulierung der Anzahl an Richtungsprognosen, abgesehen von kleinen Schwankungen, beinahe eine perfekte Gerade mit konstanter Steigung ergeben. Enthält die Steigung der Linie jedoch Brüche, so spricht dies eindeutig dafür, dass Richtungsprognosen ab dem betreffenden Zeitpunkt nachhaltig häufiger oder weniger häufig ausgesprochen wurden.

Genau solche Brüche finden wir zweimal sehr auffällig in unserer besagten Kumulierungskurve. Zunächst lässt sich beobachten, dass ab Februar 2007 häufiger als zuvor Richtungsprognosen (aufwärts oder abwärts) im DAX® daily Newsletter ausgesprochen wurden. Denn die Zeitreihe der kumulierten Prognose-Anzahl (rote Linie) wird ab dort schlagartig steiler, was besonders deutlich wird, wenn man den ehemaligen Verlauf der Kumulierung wie in Abbildung 1 mit einer Trendgeraden (blaue Linie) fortzeichnet. Zum zweiten Mal wird die Kumulierungskurve ab Juli 2009 steiler. Die DAX® daily Analysten haben also abermals die Häufigkeit von Aufwärts-Abwärts-Prognosen erhöht.

Derweil steht die Prognose-Häufigkeit im DAX® daily Newsletter gemäß unserem Tradingtest in einem offensichtlichen Zusammenhang mit der Brauchbarkeit der Analystenmeinungen. Wird der Gesamtzeitraum seit November 2004 nämlich wie in Abbildung 1 anhand der Bruchstellen der Steigung der diskutierten Kumulierungskurve in drei Phasen unterteilt, so zeigt sich in der jeweiligen Phase ein spezifischer Verlauf der fiktiven Kapitalkurve. Vor Februar 2007 verläuft die Kapitalkurve durchwachsen bis leidlich positiv (siehe Abb. 1, Phase 1). Ab Februar 2007 bis Ende Juli 2009 erlebt die Kapitalkurve des DAX® daily Standard-Tradings parallel zur gestiegenen Häufigkeit von klaren Richtungsprognosen die beste Entwicklung (siehe Abb. 1, Phase 2). Und ab Ende Juli 2009, als die Experten von Godmode­Trader.de begannen, erneut nachhaltig häufiger eine Aufwärts- oder Abwärtsbewegung des DAX® vorherzusagen, starteten die Trefferquoten der Prognosen und mit ihnen die Kapitalkurve des DAX® daily Tradings ihren penetranten Abwärtstrend (siehe Abb. 1, Phase 3).

Tatsächlich basieren diese Beobachtungen auf harten Fakten, wie unsere Nachforschungen nun ergeben haben: Ab Sommer 2009 sah sich GodmodeTrader.de gedrängt, die Häufigkeit von Richtungsprognosen (aufwärts oder abwärts) bewusst zu erhöhen. Denn Leser des DAX® daily Newsletters hatten die Aussprache von Seitwärtsprognosen angeprangert, wenn der Markt am betreffenden Tag dann doch eine starke Bewegung vollzog. Die Aussage „seitwärts“, die von den Analysten bislang auch zur Kennzeichnung von unsicheren Marktkonstellationen genutzt wurde, kam nun kaum noch zum Einsatz. Stattdessen wurde ab sofort möglichst häufig eine Richtungsprognose abgegeben.

Die erhöhte Aktivität der Analysten hat sich jedoch keineswegs ausgezahlt. Ganz im Gegenteil. Das ständige Hin und Her der Richtungsprognosen hat zur schlechten Trefferquote und letztlich zum Abrutschen unseres Tradingtests geführt.

Eine mögliche Lösung
Nachdem dieses Missverständnis mit GodmodeTrader.de geklärt werden konnte, arbeiten die Analysten nun wieder nach dem bewährten Vorgehen, welches in schlecht prognostizierbaren Marktsituationen auch das Abstandnehmen von klaren Richtungsaussagen vorsieht. Neben dem eventuell verwirrenden Begriff „seitwärts“ haben wir als vierte Analystenaussage die Bezeichnung „Tendenz unsicher / heute keine Richtungsprognose“ eingeführt.

Möglicherweise wird die Häufigkeit der Richtungsprognosen im DAX® daily Newsletter jetzt wieder sinken. Dafür treffen die Analysten nur eindeutige Aussagen, wenn sie gemäß ihrer Marktauswertung nach bestem Wissen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für die besagte Richtung erkennen. Eine Garantie für künftig wieder bessere Trefferquoten kann es zwar nicht geben. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir Ihnen ab sofort mit dem DAX® daily Newsletter wieder qualitativ hochwertigere Tendenzprognosen für die kurzfristige Marktentwicklung liefern können und dass auch das DAX® daily Trading mittelfristig wieder an seine Erfolge vom Zeitraum November 2004 bis Ende Juli 2009 anknüpfen kann.

Abb. 2 bis 4

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