finanztreff.de weekly: Aufstieg in den Euro Stoxx 50

Trading — Von Externer Autor am 31. August 2010 um 16:48

Aufstieg in den Euro Stoxx 50 rückt BMW jetzt noch stärker in den Fokus der Anleger

Morgen Abend ist Deadline. Dann fällt an den europäischen Aktienmärkten die Entscheidung über die Auf- und Absteiger der Auswahlindizes. Anhand der Schlusskurse vom Dienstag entscheidet der Indexanbieter Stoxx mit seinem einmal im Jahr turnusmäßig stattfindenden Indexentscheid auch, welche Aktien von institutionellen Anlegern in den kommenden Wochen gekauft und welche veräußert werden müssen.

Für die Kurse der jeweiligen Unternehmen haben diese Entscheidungen deshalb eine große Bedeutung. Nach Angaben der Deutschen Börse basieren rund 30 Prozent des gesamten weltweit verwalteten Vermögens auf den Indizes der Stoxx-Familie. Eine besondere Stellung nimmt dabei der Euro Stoxx 50 ein. Der Leitindex der Eurozone ist nämlich eines der beliebtesten Anlageobjekte bei privaten und institutionellen Investoren. Über Vehikel wie zum Beispiel Exchange Traded Funds (ETF) kann der Index ganz einfach nachgebildet werden. Nach Schätzungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben sich allein in solch passiv gemanagten Produkten zweistellige Milliardenbeträge angesammelt. Wenn die beschlossenen Änderungen am dritten Freitag im September umgesetzt werden, müssen die jeweiligen Fondsmanager und Portfolioverwalter entsprechend agieren. Für die Indexaufsteiger bedeutet das in der Regel eine steigende Nachfrage nach ihren Aktien. In der Praxis bleibt der erwartete positive Kurseffekt aber meistens aus. Stattdessen ist häufig sogar zu beobachten, dass die entsprechenden Titel nach erfolgtem Aufstieg zunächst schlechter abschneiden als der Index selbst. Als Begründung wird vor allem der zuvor bereits deutlich gestiegene Aktienkurs genannt. Denn weil die Indexmitgliedschaft über die Marktkapitalisierung (den Wert der frei handelbaren Aktien) entschieden wird, haben in der Regel nur die Top-Performer der vergangenen Monate eine Aufstiegschance. Ist der Sprung dann gelungen, ist die Luft dann oft erstmal raus. Ein aktuelles Beispiel liefert gerade die Aktie von HeidelbergCement. Seit der Aufnahme in den Dax vor gut zwei Monaten hat die Aktie mehr als 30 Prozent an Wert verloren, während der Index nur mit sechs Prozent im Minus liegt. In den Monaten zuvor hatte der Zementhersteller noch deutlich zulegen und dadurch Salzgitter als Indexmitglied verdrängen können.
Mitverantwortlich für dieses Phänomen dürften vor allem die aktiv gemanagten Fonds sein. Sie verwalten ein noch deutlich größeres Anlagevolumen als die passiven Produktanbieter und müssen sich bei der Auswahl der Aktien nicht streng an die Indexzusammensetzung halten. Durch den frühzeitigen Kauf potenzieller Aufstiegskandidaten versuchen zahlreiche Fonds daher, die gute Performance im Vorfeld des Indexentscheids zu nutzen und so den Index zu schlagen. Wird die Aufnahme dann vollzogen, werden die Gewinne mitgenommen, um durch eine Untergewichtung des Titels erneut eine Outperformance gegenüber der Benchmark zu erzielen.
Auch im Euro Stoxx 50 war diese Strategie mehrfach von Erfolg gekrönt. Die im Februar bei einer außerordentlichen Anpassung für die Volkswagen-Aktie in den Index aufgenommene Unibail-Rodamco hinkt dem Index seitdem stetig hinterher. Und der im vergangenen September aufgestiegene Baukonzern CRH ist auf Jahressicht sogar einer der größten Verlierer im Euro Stoxx. Doch es gibt auch Ausnahmen. So zählt die Aktie des Brauereikonzerns Anheuser Busch Inbev seit der Aufnahme vor einem Jahr zu den absoluten Top-Performern im Euro Stoxx 50.
Beim diesjährigen Indexentscheid wird es nach aktuellem Stand wohl genau eine Änderung geben. Nach einer Analyse der LBBW kann der Autohersteller BMW den Versicherer Aegon verdrängen. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird mit respektablen 95 Prozent angegeben. Ausschlaggebend für den Wechsel sind auch hier wieder die durch die jüngste Performance veränderten Marktwerte der Unternehmen. In den vergangenen sechs Monaten konnte BMW ein Plus von fast 40 Prozent erzielen, während Aegon über zehn Prozent verloren hat. Endet mit dem Indexaufstieg nun auch bei BMW der Höhenflug? [...] Ganz kurzfristig könnte sich aber auch eine Spekulation auf weiter steigende Kurse lohnen. Denn in den knapp drei Wochen zwischen Bekanntgabe der Änderungen und der tatsächlichen Umsetzung konnte im vergangenen Jahr selbst CRH noch einmal um mehr als zehn Prozent zulegen. Für derartige Kurzfrist-Spekulationen wären dann zum Beispiel Knock-out-Calls wie ein Mini Long Future der BNP Paribas (WKN: BN6B61, Hebel von gut neun) eine sinnvolle, wenn auch risikoreiche Idee.

Quelle Text:
finanztreff.de: weekly | Ausgabe 35/10 – S. 1
Thomas Koch

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