PortfolioExclusiv: Gewappnet für die Geldentwertung
Strategien & Anlegen — Von Externer Autor am 13. August 2010 um 15:24GAGFAH CAPPED BONUS-ZERTIFIKAT
Immobilien-Aktien als natürlicher Inflationsschutz
Ob die Krise tatsächlich schon vollständig abgewendet ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Fest steht, dass milliardenschwere Konjunkturprogramme und Stützungs- maßnahmen die Staatskassen erheblich strapazieren. Dabei wirkte die Krise wie ein Brandbeschleuniger, der strukturelle Probleme in manchen Ländern schonungslos zu Tage förderte.
Schaut man nur auf den Euroraum, zeigt sich eine Zweiklassen-Gesellschaft: Im Kernbereich ein Anziehen der Wirtschaft, in Peripheriegebieten dagegen maximal ein Aufblühen der Streikkultur. Ewig können die Zinsen jedoch nicht niedrig bleiben. Die Angst geht um, dass die EZB zu lange eine expansive Geldpolitik verfolgt, um insbesondere Griechenland & Co. zu schonen. Das führt jedoch zum Risiko einer mitunter deutlich steigenden Inflation. Euro-Skeptiker sind von solch einem Inflationsszenario überzeugt. Schließlich opferte die EZB zuletzt scheinbar ihre Unabhängigkeit und ließ sich politisch instrumentalisieren, indem sie die ausufernden Staatsausgaben über den Ankauf von Staatsanleihen mitfinanzierte. Dies zeigte kurzfristig positive Wirkung. Doch das Vertrauen in die Notenbank und damit in das Geldsystem hängt davon ab, inwieweit die Maßnahmen bei Bedarf wieder korrigiert werden.
Möglichkeiten der Entschuldung
Vor diesem Hintergrund ist die Frage berechtigt, wie die Staaten ihre rekordverdächtigen Schuldenberge abtragen wollen. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten: Die beste wäre natürlich, dass sich ein entsprechendes Wirtschaftswachstum einstellt, das zu mehr Steuereinnahmen führt. Allerdings ist ein derart ausgeprägter Boom zumindest derzeit in den hochentwickelten Ländern schwer vorstellbar. Die wohl schlechteste Lösung wäre ein Staatsbankrott, wie ihn zuletzt Argentinien oder Russland erlebt hatten. Dieser Weg wurde bei Griechenland mit allen Mitteln gemieden, aus berechtigter Angst vor einem Domino-Effekt im Euroraum.
Eine weitere Lösung wäre eine Art Ausgleichszahlung. Staaten wie Deutschland verhelfen schwachen Währungsmitgliedern durch Garantievergabe zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt. Abgesehen von innenpolitischen Widerständen würde dieses Vorhaben lediglich eine Umverteilung der Schulden zur Folge haben. Das generelle Schuldenproblem lässt sich dadurch nicht beseitigen. Unterm Strich scheint eine gewisse inflationäre Entwicklung daher unvermeidbar.
Weltweites Schuldenproblem
Auch in den USA sieht es nicht viel besser aus. Der Bundesstaat Kalifornien beispielsweise steht am Rande eines finanziellen Kollapses. Kein Wunder also, dass die US-Notenbank ihr Ankaufprogramm von Anleihen „bedürftiger“ Emittenten adaptiert. Frei werdende Noten- bankgelder aus auslaufenden Hypothekenanleihen sollen künftig in Anleihen der öffentlichen Hand investiert werden.
Das ist eine Lizenz zur Schuldenausweitung und darf durchaus kritisch beäugt werden –zumal die Verschuldungsquote in den USA mit 82,9 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt sogar etwas höher als in der Eurozone mit 79 Prozent ist. Doch was heißt das schon: Unter den Industriestaaten ist Japan mit einer Quote von 189,8 Prozent trauriger Spitzenreiter.
Inflation zieht wieder an
Trotz massiv gestiegener Liquidität im Finanzsystem ist der Preisdruck bislang ausgeblieben. Im Juni lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nur 1,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Grund für die Diskrepanz: Die Banken können die zur Verfügung stehende Liquidität über ihr Kreditsystem nicht multiplizieren. Die Kreditnachfrage vor allem aus der Privatwirtschaft entwickelt sich nach wie vor zögerlich. Doch angesichts der nun anziehenden Konjunktur scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis erneut Investitionen getätigt werden. Dann setzt auch das Kreditwachstum ein und die Inflationsspirale beginnt zu drehen.
Gagfah: Buy on bad news
Beim Wohnungsbaukonzern Gagfah sieht die Lage hingegen noch schlechter aus. Das Unternehmen konnte zwar im zweiten Quartal einen Gewinnsprung vermelden. Dieser entstand jedoch fast ausschließlich über Bestandsverkäufe. Logische Folge: Die Mieteinnahmen gingen erheblich zurück. Der Vorstand kündigte daher eine Halbierung der Dividende an. Mit einem Bestand von rund 165.000 Wohneinheiten verfügt Gagfah jedoch über enorme Substanz. Dem steht auf dem aktuellen Kursniveau (Kurs 5,83 Euro) gerade einmal eine Marktkapitalisierung von 1,3 Mrd. Euro gegenüber. Zudem besteht die Hoffnung, dass in Zeiten einer wirtschaftlichen Erholung wieder Mietsteigerungen am Markt durchsetzbar sind. Auf Basis der Schätzungen für 2011 liegt das KGV aktuell im Bereich von elf. Dies ist ein fundamental günstiger Wert. Leider sind auch bei diesem Wert im Bereich der klassischen Bonus-Zertifikate nur Papiere mit recht hohen Aufgeldern oder zu kurzen Laufzeiten verfügbar. Bei den „Bonüssen“ mit Cap findet sich hingegen eine renditestarke Variante. Sie kommt von der BNP Paribas und bringt bis Dezember 2011 eine sehr ansehnliche Bonus-Rendite von 18,5 Prozent oder 13,3 Prozent p.a. Die Barriere ist bei 4,00 Euro festgezurrt, was einem Risikopuffer von 31,3 Prozent entspricht (ISIN DE000BN5NTW7). Wie bereits erwähnt, hat auch dieses Zertifikat bereits erhebliches Aufgeld aufgebaut, was beim Schwellenbruch abermals zu überproportionalen Abschlägen führt. Jedoch ist die Aktie im Bereich von 5,00 Euro sehr gut unterstützt. Seit Mitte 2009 war die Aktie nicht mehr unter diese Unterstützungsmarke abgetaucht. Zudem wurde der Titel nach der Dividendenkürzung schon massiv abgestraft. Daher gehen wir davon aus, dass sich der Risikopuffer als ausreichend erweisen wird.


Quelle:
Portfolio Exclusiv | 31/2010 – S. 2-3
Quelle Bild:
Hartmut Giessler / PIXELIO
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Tags: Capped Bonus Zertifikate, Gagfah, Geldentwertung, Immobilien, Inflation, Inflationsschutz






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